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Pictures Uganda September 2005

Brautpreis   (24.09.2005)

Vor kurzem war ich das erste Mal zu einer "traditional marriage" eingeladen. Diese findet jeweils vor der kirchlichen Trauung statt und beinhaltet eine symbolische Übergabe der Frau in die Familie des Mannes und die Bezahlung des Brautpreises. Jeder Mann hat für seine Frau je nach ihrem Bildungsstand etwa 7 Kühe, ein paar Ziegen und eine ganze Menge Geld an ihre Eltern zu bezahlen. Nicht selten ist das der Grund dafür, dass viele Paare nicht heiraten (können) und viele Frauen uneheliche Kinder zur Welt bringen. Auf dem Foto werden gerade die Kühe, Ziegen und Hühner übergeben.


Mein erstes Follow-up   (24.09.2005)

Dieses Auto ist die Ambulanz des Krankenhauses. Hinten drin ist kein Bett, sondern zwei Klapp-Bänke an den Seiten und in der Mitte ein Laderaum. Medizinische Geräte gibt es gar nicht. Das Auto wird auch häufiger für Feldeinsätze oder Einkaufstouren als für Krankentransporte benutzt. So auch zum Teil für unsere Follow-up Einsätze, in denen wir versuchen, unsere bereits entlassenen Patienten zu Hause zu besuchen. Mein erster Einsatz dieser Art endete allerdings schon nach ca. 15 km Fahrt, weil das Auto schlapp machte...


Brettspiele   (24.09.2005)

Immerhin hatte ich durch meinen ersten nicht erfolgreichen Follow-up-Versuch die Möglichkeit, die Einheimischen bei einem ihrer typischen Brettspiele zuzuschauen. Denn während endloser Versuche, das Auto anzuschieben und dem anschließenden Warten auf ein Abschleppauto (die zweite Ambulanz des Hospitals) haben wir ihnen dabei ein wenig Gesellschaft geleistet. So ganz habe ich das Spiel nicht verstanden, aber es scheint irgendwie eine Mischung aus Halma und Dame zu sein.


Metzger   (24.09.2005)

Auf solchen "Ständen" wird hier frisch geschlachtetes Fleisch angeboten. Der Kunde kann sich ein Stück aussuchen, das dann rausgeschnitten wird. Die Hygiene ist vielleicht etwas fraglich (Fliegen ohne Ende) und dadurch, dass es nicht abgehangen ist auch etwas zäh, aber durch entsprechend langes kochen lassen sich diese beiden Probleme recht leicht beheben...


Hühner   (24.09.2005)

Ob im Garten, auf dem Krankenhausgelände, im Bus, der Straße oder dem Fußballfeld: Hühner gibt es hier überall. Normalerweise laufen sie einfach frei durch die Gegend (frage mich nur immer, wie die Leute wissen, welches nun ihnen und welches den Nachbarn gehört?!). Wenn ein Huhn verkauft werden sollen, dann bindet man ihm einfach die Beine mit einer Schnur zusammen, so dass es nicht weglaufen kann. Da Hühner immer lebend verkauft werden, sieht man überall diese armen Hühner, die kopfüber an den Füßen gehalten und transportiert werden. Aber man gewöhnt sich an vieles: inzwischen traue ich mich nicht nur, sie zu halten, sondern ich habe auch gelernt, wie man eins schlachtet.


Kana   (24.09.2005)

Diese Mädchen ist zwar nicht mangelernährt, aber wir sind auf einem unserer Follow-ups auf sie und ihren Bruder gestoßen. Beide sahen sehr krank aus und die Eltern hatten kein Geld, um den weiten Transport zum Krankenhaus zu bezahlen. Also haben wir sie und ihre Mutter kurzerhand mitgenommen und auf unserer Station untergebracht. Die Mutter hat uns dann erzählt, dass der Vater alles Geld für Alkohol ausgibt und sie und die Kinder nichts davon abbekommen (obwohl sie die meiste Feldarbeit macht). Manchmal schlägt er sie wohl auch. Ihre Hütte ist undicht und sie haben weder genug zu essen noch ausreichend Kleidung. Kana hat immer diesen gleichen traurigen Gesichtsausdruck und mit ihren 3,5 Jahren zeigt sie ein unglaubliches Verantwortungsgefühl ihrem kleinen Bruder gegenüber. Ich habe nicht ein einziges Mal ein Lächeln von ihr gesehen. Wir haben versucht mit ihrem Vater zu reden, aber ob wir was bewirkt haben, wage ich zu bezweifeln...


Lorry   (24.09.2005)

Jedes mal, wenn ein größeres Ereignis ansteht (z.B. Hochzeiten oder irgendwelche größeren Tourniere) fährt solch ein Lorry dorthin, um die Leute zu transportieren. Vor kurzem durfte ich das erste Mal solch eine Fahrt live miterleben. Erst wollten mich die Leute unbedingt nach vorne ins Führerhäuschen setzten. Sie konnten gar nicht verstehen, dass es für mich ein interessantes Erlebnis ist, einmal als "ganz normaler" Passagier mitzufahren. Das Fahren selbst war gar nicht so schlimm, aber das Rauf- und Runterklettern war eine kleine Herausforderung.


OP-Wäsche   (24.09.2005)

Zwei Mal in der Woche wird hier im Krankenhaus die Wäsche vom OP gewaschen und dann auf dem Gelände zum Trocknen aufgehängt. Die Angehörigen der Patienten breiten ihre Wäsche zum Trocknen einfach auf dem Gras oder über den Bäumen aus. Manchmal sieht der ganze Rasen wie ein einziger Flickenteppich aus. Das Gebäude geradeaus im Hintergrund ist die Kinderstation, rechts daneben ist die Verwaltung und dann kommt Aufnahme und Labor.


Regen   (24.09.2005)

In diesen ersten Monaten hier durfte ich eine sehr gesegnete Regenzeit erleben. Das heißt es gab häufig und viel Regen. Für meinen Geschmack vielleicht manchmal ein wenig zu viel, aber für die Leute hier gibt es nichts besseres als viel Regen. Jeden Tag wieder neu beten sie dafür, denn davon hängt die Ernte und damit das Wohlergehen der gesamten Bevölkerung ab. Normalerweise regnet es hier immer nur für wenige Stunden, aber dafür richtig heftig. Innerhalb von Minuten ist alles unter Wasser. Auf dem Bild seht ihr den Weg, den wir von unserem Haus zu unserer Latrine gehen müssen. Wenn es regnet, kann dieser kurze Weg schnell recht unangenehm werden.


Wiegen   (24.09.2005)

Wiegen der Kinder ist in der Nutrition Unit natürlich eine der zentralen Tätigkeiten. Die Kinder müssen dazu eine Art Hose anziehen, mit der sie dann an der Waage aufgehängt werden. Meistens gibt es dabei ziemlich viel Geschrei, manchen Kindern macht es aber auch richtig Spaß. Auf dem Bild sind wir gerade auf einem Follow-up. Weil wir gerade keine Möglichkeit finden konnten, um die Waage irgendwo zu befestigen, musste unser Fahrer als "Baum" herhalten. Rose, unsere Sozialarbeiterin, liest dabei das Gewicht ab.


Kinder über Kinder   (24.09.2005)

Kommt man als Muzungu (Weißer) irgendwohin, scharen sich sofort die Kinder um einen. Jeder will einem die Hand geben, die weiße Haut berühren und am besten auch noch die Haare. Man wird stundenlang einfach nur angestarrt. Auf dem Bild habe ich gerade bei einem Fußballspiel zugeguckt - natürlich eine optimale Gelegenheit für die Kinder dort, sich den Muzungu mal näher anzugucken.


Claire   (24.09.2005)

Relativ häufig haben wir ins unserer Unit auch Kinder mit einem Hydrocephalus ("Wasserkopf"). Ich weiß nicht, ob es hier generell öfter auftritt, oder ob es einfach nur so spät entdeckt und behandelt wird. Auf jeden Fall kommt es bei vielen dieser Kinder zu einer Reihe von Komplikationen, zu denen auch Mangelernährung gehört. Dazu kommt, dass behinderte Kinder hier nicht selten von den Familien abgelehnt werden. So auch dieses kleine Mädchen. Während sie bei uns war, hat die Mutter das nächste Kind entbunden und sich danach praktisch gar nicht mehr um Claire gekümmert. Bis zu der Geburt des nächsten Kindes hatte sie wunderschön zugenommen, aber danach rührte sich plötzlich nichts mehr. Ob sie heute noch lebt, weiß ich leider nicht.


Taxi-Park in Kampala   (24.09.2005)

Die günstigste Transportmethode innerhalb von Kampala sind normalerweise diese Kleinbusse ("Matatu" oder einfach "Taxi"). Sie starten von diesem riesigen Parkplatz aus und fahren in alle Richtungen. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass man den richtigen Bus finden muß, da es weder Fahrpläne noch Uhren oder sonstige Hilfen gibt. Die Einheimischen scheinen jedoch immer genau zu wissen, wo welcher Bus wann startet und da die Leute in der Regel alle sehr hilfsbereit sind, landet man mit ein bisschen Durchfragen normalerweise recht schnell im richtigen Bus. Dann gilt es allerdings noch zu warten, bis er auch genügend voll ist (so ca. 20 Leute + Kinder und Hühner sollten es schon sein - 14 sind zugelassen), denn vorher wird nicht abgefahren. Aus- und Einsteigen kann man im Prinzip überall und jederzeit, man muß es nur schaffen, sich dementsprechend bemerkbar zu machen. Etwas schwierig ist es dann allerdings, den Preis einzuschätzen, denn als "Weißer" wird einem oft der doppelte und dreifache Preis genannt.


Angicobo   (24.09.2005)

Dieses kleine Baby ist gut 2 Wochen alt. Geburtsgewicht war 2.1 kg, auf dem Foto sind es noch 1.7 kg. Die Mutter hat zu Hause entbunden und danach angefangen zu bluten. Als sie am nächsten Morgen zur nächsten Dorfgesundheitsstation gebracht wurde, war es schon zu spät. Jetzt sorgt die Uroma für das Kleine, wo die Mutter der Mutter ist, weiß keiner. Die Uroma ist sehr arm und hat zu Hause noch dazu einen blinden Mann zu versorgen (er wurde von Soldaten so lange misshandelt, bis er blind und lahm war). Zu uns kam sie mit nichts weiter als ihrer Tracht, einem Stück Stoff, in das das Kind gewickelt war, und umgerechnet ca. 50 Cent. Ich habe keine Ahnung, wie sie zu Hause die ganze Arbeit bewältigen will und sie wird sich auch niemals Milch und Zucker leisten können, um für das Kind eine Ersatzmilch herzustellen.

Uganda Bilder September 2005