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Nutrition

Mangelernährung



Warum ein Kind eine und ein anderes Kind eine andere Form der Mangelernährung entwickelt ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es kann durchaus auch sein, daß ein und dasselbe Kind nacheinander alle drei Formen durchmacht. Lange ging man davon aus, daß Kwashiorkor vor allem auf Eiweißmangel und weniger auf einen generellen Energiemangel zurückzuführen ist. Heute wird neben diesem eine Vielzahl von Ursachen in Erwägung gezogen, wie zum Beispiel Vitamin- und Mineralstoffmangel, Umweltgifte, Streßfaktoren und einseitige Ernährung.

Kommt ein mangelernährtes Kind in das Krankenhaus, wird zuerst untersucht, ob andere Grunderkrankungen vorliegen. Nicht selten sind neben den sozialen und finanziellen Problemen Malaria, Wurminfektionen und HIV die eigentlichen Ursachen der Mangelernährung. Während diese oder andere Erkrankungen dann behandelt werden, beginnt man ganz vorsichtig mit der Nahrungszufuhr. Dabei muß man mit sehr kleinen und dafür häufigen Mahlzeiten beginnen, weil ein zuviel an Energie den stark geschwächten Stoffwechsel überfordern würde. Auch die Wassereinlagerungen bei den Kawshiokor-Kindern dürfen aus diesem Grund nicht zu schnell abgebaut werden. Deshalb werden spezielle Milchmischungen hergestellt, die dann in kleinen Portionen über den Tag verteilt verabreicht werden. Ist ein Kind zu schwach zum essen, muß es die ersten Tage über Magensonde ernährt werden. Wenn sich das Kind stabilisiert hat, kann auf eine energiereichere Folgemilch umgestiegen werden, die dann später durch normale altersgerechte Mahlzeiten ergänzt wird.

Damit die Kinder nach der Entlassung nicht wieder "rückfällig" werden, ist es besonders wichtig, die Mütter während des Aufenthalts in Sachen Ernährung und Hygiene zu unterrichten. Denn oft gibt es durchaus Möglichkeiten für sie, mit wenig Geld die qualitative und quantitative Ernährung ihrer Kinder zu verbessern. Außerdem versuchen wir durch Hausbesuche die Entwicklung der Kinder nachzuverfolgen, um ggf. gezielt Hilfestellung geben zu können.


Man unterscheidet drei Formen der Mangelernährung:



Der am häufigsten vorkommende Typ ist der Marasmus.

Dies sind Kinder, die ein sehr niedriges Körpergewicht haben. Durch eine über längere Zeit bestehende unzulängliche Nahrungsversorgung kommt es zum Abbau aller Energie- und Proteinreserven. Man spricht bei diesen Kindern oft von "greisenhaften" Gesichtszügen, weil die eingefallene Haut sehr an "Greise" erinnert. Zudem haben sie meist einen aufgeblähten Bauch, eine niedrige Körpertemperatur und einen niedrigen Blutdruck. Allerdings haben diese Kinder häufig noch Appetit, so daß ihnen oft gut geholfen werden kann.

Die zweite Form ist der  Kwashiorkor.

Sie beginnt mit Wassereinlagerungen zuerst an Füßen, Beinen und Händen, später dann auch im Gesicht und im Bauchraum. Dabei kommt es zu Muskelschwund, zur Blutarmut und Haare und Haut verlieren an Farbe. Problem bei dieser Form der Mangelernährung ist zum einen, daß durch die Wassereinlagerungen das Ausmaß der Mangelernährung oft nicht erkannt und dadurch nicht ernst genommen wird und zum anderen, daß diese Kinder im Gegensatz zu den marasmischen Kindern oft keinen Appetit haben und auch sonst sehr apathisch sind.

Die dritte Form ist der marasmische Kwashiorkor.

Es ist eine Mischung der Symptome aus den anderen beiden Krankheitsbildern. So treten starke Gewichtsverluste gleichzeitig mit Wassereinlagerungen auf. Die Sterblichkeitsrate ist bei dieser Art der Mangelernährung am höchsten.